Lernen durchs Bloggen

Was ich durch das Bloggen gelernt habe
Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, dachte ich zunächst, dass es vor allem darum geht, eine Website zu erstellen und anschließend ein paar interessante Texte darauf zu veröffentlichen. So kompliziert kann das doch eigentlich nicht sein, dachte ich. Heute, einige Jahre später, weiß ich, dass diese Vorstellung ziemlich naiv war. Nicht, weil Bloggen unglaublich schwierig wäre, sondern weil hinter einer Website viel mehr steckt, als man am Anfang sieht. Es gibt technische Fragen, gestalterische Entscheidungen, Suchmaschinen, Plugins, Hosting, Domains und natürlich die wichtigste Frage überhaupt: Was möchte ich eigentlich schreiben? Dazu kommt etwas, das man in keiner Anleitung wirklich lernen kann – die eigenen Erfahrungen. Genau die haben mir im Laufe der Zeit am meisten beigebracht. Wenn ich heute auf meinen Weg zurückblicke, fallen mir viele einzelne Dinge ein, die ich gelernt habe. Drei Erkenntnisse stehen für mich allerdings besonders im Mittelpunkt.
1. Man muss nicht alles wissen, bevor man anfängt
Diese Erkenntnis klingt einfach, war für mich aber eine der wichtigsten überhaupt. Als ich mit 60 angefangen habe, wusste ich nichts von WordPress. Mit Webhosting konnte ich zunächst wenig anfangen und bei Begriffen wie Plugin, Theme oder SEO musste ich mich erst einmal informieren. Hätte ich damals darauf gewartet, bis ich alles verstanden habe, würde es meine erste Website wahrscheinlich bis heute nicht geben.
Stattdessen habe ich einfach angefangen. Natürlich war das manchmal ziemlich holprig. Ein Baukastensystem war mein erster Versuch. Damit konnte ich zunächst arbeiten, bis ich irgendwann mehr Möglichkeiten wollte. Danach kam WordPress. Wieder musste ich mich einarbeiten. Neue Begriffe tauchten auf, neue Fragen entstanden und manches musste ich mehrmals lesen, bevor ich es wirklich verstanden hatte.
Genau so funktioniert Lernen meiner Meinung nach am besten. Man liest etwas, probiert es aus und stellt anschließend fest, dass die Theorie und die Praxis manchmal zwei verschiedene Dinge sind. Dann sucht man nach einer Lösung und versteht beim zweiten Versuch plötzlich etwas, das vorher völlig unverständlich war. Heute würde ich deshalb niemandem empfehlen, monatelang nur Anleitungen zu lesen, bevor er überhaupt mit dem eigenen Blog beginnt. Ein bisschen Vorbereitung ist natürlich sinnvoll. Man sollte wissen, worüber man schreiben möchte, welche Art von Website man haben will und welche grundlegenden Entscheidungen anstehen. Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem man einfach loslegen muss. Fehler sind dabei nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass man etwas falsch gemacht hat. Oft zeigen sie nur, dass man gerade etwas Neues lernt.
Diese Erfahrung hat mir übrigens auch in anderen Bereichen geholfen. Wenn man sich ständig sagt: „Das kann ich noch nicht“, kommt man nicht besonders weit. Viel hilfreicher ist der Gedanke: „Das kann ich bis jetzt nicht – aber ich kann es lernen.“ Gerade beim Bloggen funktioniert das erstaunlich gut.
2. Weniger ist oft mehr
Die zweite Erkenntnis hat bei mir etwas länger gebraucht. Gerade WordPress macht es einem nämlich nicht leicht, sich zu beschränken. Für fast jedes Problem gibt es ein Plugin. Für fast jede Designidee gibt es ein Theme oder eine Erweiterung. Dazu kommen unzählige Empfehlungen, Tipps und Werkzeuge, die angeblich unbedingt notwendig sind. Am Anfang fand ich das faszinierend. Je mehr Möglichkeiten, desto besser – dachte ich. Inzwischen sehe ich das anders.
Eine Website wird nicht automatisch besser, nur weil darauf möglichst viele Funktionen installiert sind. Im Gegenteil: Manchmal wird sie dadurch sogar unübersichtlicher. Auch für mich war es ein Lernprozess, herauszufinden, welche Dinge ich tatsächlich brauche und auf welche ich problemlos verzichten kann.
Dasselbe gilt für den Inhalt. Ein Blog muss nicht sofort hundert Kategorien haben. Man braucht nicht zu jedem Thema einen eigenen Unterbereich. Auch die Startseite muss nicht mit zehn verschiedenen Elementen vollgepackt werden. Wenn ein Besucher auf eine Website kommt, sollte er möglichst schnell erkennen können, worum es geht.
Diese Erkenntnis klingt eigentlich logisch. Trotzdem ist es erstaunlich leicht, sich beim Aufbau einer Website zu verzetteln. Ich habe selbst oft gedacht: Vielleicht könnte ich hier noch etwas ergänzen. Oder braucht die Startseite noch einen Abschnitt? Das Plugin wäre noch super. Irgendwann muss man einfach sagen: Nein, das reicht jetzt.
Das gilt auch für das Design. Eine Website darf schön aussehen, aber sie muss nicht ständig verändert werden. Wenn die Farben passen, die Texte gut lesbar sind und die Navigation funktioniert, ist schon ziemlich viel erreicht.
Inzwischen frage ich mich bei Änderungen häufiger, welchen konkreten Nutzen sie eigentlich bringen. Wenn ich darauf keine vernünftige Antwort finde, lasse ich es lieber. Das spart Zeit und Nerven.
Auch beim Schreiben habe ich diese Haltung übernommen. Ein Artikel muss nicht künstlich kompliziert klingen, nur damit er besonders professionell wirkt. Menschen lesen gerne Texte, die verständlich sind und bei denen sie das Gefühl haben, dass jemand tatsächlich etwas zu erzählen hat. Für mich ist das inzwischen wichtiger als möglichst viele Fachbegriffe.
3. Bloggen ist ein Lernprozess
Die dritte Erkenntnis ist vielleicht die wichtigste: Man ist beim Bloggen niemals wirklich fertig.
Als Anfänger denkt man vielleicht, dass man irgendwann alle wichtigen Dinge verstanden haben wird. Dann kennt man WordPress, weiß, wie SEO funktioniert, hat das perfekte Theme gefunden und kennt sich mit Hosting aus. Danach ist alles erledigt. So war es bei mir jedenfalls nicht. Je mehr ich gelernt habe, desto mehr neue Fragen sind aufgetaucht. Mittlerweile habe ich verschiedene Webhostings kennengelernt, zahlreiche Websites ausprobiert und mich mit vielen Bereichen beschäftigt, die mir am Anfang völlig fremd waren. Trotzdem entdecke ich weiterhin Dinge, die ich vorher nicht wusste.
Das empfinde ich inzwischen nicht mehr als Problem, sondern eher als Teil des Hobbys. Eine Website verändert sich. Das Internet verändert sich. WordPress entwickelt sich weiter. Plugins werden aktualisiert, Themes verändern sich und auch die Anforderungen von Suchmaschinen bleiben nicht immer gleich. Wer einen Blog betreibt, kommt deshalb kaum darum herum, gelegentlich dazuzulernen. Dabei muss man allerdings nicht jedem Trend hinterherlaufen. Nicht jede neue Funktion ist automatisch sinnvoll.
Das habe ich ebenfalls gelernt: Eigene Erfahrungen sind wertvoll.
Natürlich kann man von anderen lernen. Das Internet ist voll von hilfreichen Informationen. Ohne diese Informationen hätte ich selbst vieles nicht geschafft. Trotzdem muss man irgendwann ausprobieren, ob etwas tatsächlich zum eigenen Blog passt. Genau deshalb sehe ich meine Erfahrungen heute auch nicht als fertiges Wissen. Sie sind eher eine Momentaufnahme. Was ich heute für sinnvoll halte, kann ich in zwei Jahren vielleicht wieder anders beurteilen. Und das ist vollkommen in Ordnung.
Wenn ich die drei wichtigsten Dinge zusammenfassen müsste, wären es deshalb diese: Man muss nicht alles wissen, bevor man anfängt. Man sollte sich nicht mit unnötigen Dingen verzetteln. Und man darf akzeptieren, dass man immer wieder etwas Neues lernen wird. Gerade der letzte Punkt gefällt mir inzwischen besonders gut.
Mit 60 habe ich angefangen, mich mit Blogs und Websites zu beschäftigen. Heute bin ich 63 und weiß deutlich mehr als damals. Gleichzeitig weiß ich auch, dass ich noch lange nicht alles weiß.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen einem Anfänger und einem Profi – oder zumindest zwischen jemandem, der gerade anfängt, und jemandem, der schon ein paar Jahre dabei ist: Man weiß nicht unbedingt alles. Man weiß aber besser, wo man nachschauen muss, wenn man etwas nicht weiß.
Und das ist beim Bloggen schon ziemlich viel wert.
Meine drei Erkenntnisse sind deshalb eigentlich ganz einfach: anfangen, nicht unnötig kompliziert machen und offen bleiben für Neues.
Mehr braucht es vielleicht gar nicht.
Zumindest habe ich damit bisher relativ gute Erfahrungen gemacht.





