Bloggen – mit 60 einen Blog starten – warum eigentlich?

Bloggen - mit 60 einen Blog starten – warum eigentlich?

Bloggen – ohne Vorkenntnisse – keine Ahnung!

Mit 60 einen Blog zu starten, war sicherlich nicht das, was ich mir viele Jahre vorher für meinen Alltag vorgestellt hatte. Eigentlich war es zunächst nur Neugier. Ich hatte im Internet immer wieder interessante Blogs gesehen und mich irgendwann gefragt: Wie machen die das eigentlich? Wie entsteht so eine Website? Kann man das selbst lernen? Und braucht man dafür wirklich Ahnung von Technik? Aus diesen einfachen Fragen wurde mit der Zeit ein Hobby, das mich bis heute beschäftigt. Mittlerweile bin ich 63 und kann sagen: Wenn ich damals auf den Gedanken gekommen wäre, dass man mit 60 vielleicht „zu alt“ dafür sein könnte, hätte ich mir damit wahrscheinlich eine ziemlich interessante Erfahrung entgehen lassen.

Der Weg dorthin war allerdings nicht ganz geradlinig. Lange Zeit hatte ich andere Dinge im Kopf. Seit vielen Jahren hatte ich mit Angststörungen und Panikattacken zu tun. Das hat einen großen Teil meines Lebens geprägt und dazu geführt, dass viele Dinge, die für andere normal waren, für mich nicht selbstverständlich gewesen sind. Über die Jahre habe ich vieles ausprobiert, um diese Ängste besser in den Griff zu bekommen und irgendwann wieder ein möglichst normales Leben führen zu können. Nach einer Therapie und einigen Versuchen, die leider nicht den erhofften Erfolg gebracht hatten, fand ich schließlich meinen eigenen Weg. Plötzlich war wieder etwas da, das mir lange gefehlt hatte: Lust auf Neues. Ich wollte wieder mehr machen, mich für Dinge interessieren und nicht ständig nur darüber nachdenken, was vielleicht nicht funktionieren könnte.

Bloggen – eine verrückte Idee?

In dieser Zeit kam mir die Idee mit dem Bloggen. Ich hatte verschiedene Blogs entdeckt und fand es spannend, wie unterschiedlich diese Seiten sein konnten. Manche beschäftigten sich mit Hobbys, andere mit persönlichen Erfahrungen, Reisen, Technik oder irgendwelchen ganz speziellen Themen. Menschen schrieben einfach über Dinge, die ihnen wichtig waren, und andere konnten diese Beiträge lesen. Das fand ich faszinierend. Also begann ich, mich im Internet darüber zu informieren. Zunächst war das Ganze noch ziemlich harmlos. Ein wenig suchen, ein paar Artikel lesen, vielleicht ein Video anschauen. Allerdings kennt das Internet dieses „ein wenig“ nicht wirklich. Aus einer Frage werden schnell fünf weitere und aus fünf Fragen irgendwann fünfzig. Was ist ein Blog? Wie erstellt man eine Website? Was ist eine Domain? Was ist ein Hosting? Brauche ich WordPress? Und wenn ja, was ist eigentlich ein Plugin?

Je mehr ich las, desto interessanter wurde das Thema. Gleichzeitig merkte ich aber auch, dass ich von vielen Dingen überhaupt keine Ahnung hatte. Genau das hätte ein Grund sein können, wieder aufzuhören. Stattdessen wurde meine Neugier immer größer. Ich wollte nicht nur wissen, wie andere ihre Websites erstellen, sondern es selbst ausprobieren. Also begann ich mit einem Baukastensystem. Für den Anfang war das durchaus praktisch. Man konnte verschiedene Elemente zusammenstellen, Texte einfügen und Bilder verwenden, ohne sich mit Programmierung beschäftigen zu müssen. Nach einigen Wochen stand tatsächlich meine erste Website. Das Gefühl, zum ersten Mal eine eigene Seite im Internet zu sehen, war schon etwas Besonderes. Natürlich war sie nicht perfekt. Aus heutiger Sicht würde ich wahrscheinlich einiges anders machen. Damals war mir das allerdings ziemlich egal. Ich hatte es geschafft, eine eigene Website auf die Beine zu stellen – und darauf war ich stolz.

Mein Thema war damals schnell gefunden. Ich wollte über meine Erfahrungen mit Angststörungen und Panikattacken schreiben. Das war schließlich etwas, womit ich mich seit vielen Jahren beschäftigt hatte und was ich aus eigener Erfahrung kannte. Die Website sollte nicht nur irgendein technisches Experiment sein, sondern auch einen persönlichen Sinn haben. So entstand schließlich meine erste eigene Website: angst-im-focus.de, die ich mittlerweise umgestaltet habe zu einfachklarkopf.de. Mit der Zeit merkte ich allerdings, dass mir das Baukastensystem nicht mehr genügte. Je mehr ich mich mit Websites beschäftigte, desto mehr wollte ich verändern und ausprobieren. Einige Möglichkeiten waren im Baukasten einfach nicht so flexibel, wie ich es gerne gehabt hätte. Also begann die nächste Recherche. Diesmal ging es um Webhosting und WordPress. Wieder tauchten neue Begriffe auf, ich musste mich einlesen und wieder verstand ich zunächst vieles nicht. Trotzdem machte genau das den Reiz aus. Ich hatte ein neues Thema gefunden, in das ich mich immer weiter hineinarbeiten konnte.

Website erstellen – vom Baukasten zu Wordpress

Irgendwann war für mich klar: Webhosting und WordPress – das wollte ich ausprobieren. Damit begann eine ganz neue Lernphase. Eine neue Domain registrieren [die bisherige Domain gefiel mir nicht], ein Hosting auswählen, WordPress installieren und anschließend herausfinden, wie man daraus eine vernünftige Website macht. Klingt heute für mich ziemlich normal. Damals war vieles davon Neuland. Dazu kamen Themes, Plugins, Einstellungen, Menüs, Bilder und unzählige kleine Entscheidungen, die man treffen muss, wenn man eine Website selbst betreiben möchte.

Natürlich habe ich dabei Fehler gemacht. Einige waren ziemlich banal, andere hätte ich mir wahrscheinlich ersparen können, wenn ich vorher länger recherchiert hätte. Allerdings gehört das für mich inzwischen zum Bloggen dazu. Man kann zwanzig Anleitungen lesen und trotzdem irgendwann an einem Punkt stehen, an dem man nicht weiterkommt. Dann hilft manchmal nur Ausprobieren. Genau dabei lernt man oft am meisten.

Meine Website wurde im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Ich habe Seiten umgebaut, Designs ausprobiert, Dinge gelöscht und später festgestellt, dass ich sie vielleicht doch noch hätte gebrauchen können. Plugins kamen dazu und verschwanden wieder. Mit SEO beschäftigte ich mich irgendwann ebenfalls intensiver. Keywords, Google, Suchmaschinen, Ladezeiten und viele andere Themen tauchten auf meiner persönlichen Blogging-Lernliste auf. Was zunächst wie ein kleines Hobby begonnen hatte, entwickelte sich langsam zu einem ziemlich umfangreichen Interessengebiet.

Mittlerweile kenne ich ungefähr zehn verschiedene Webhostings. Ich habe Erfahrungen mit unterschiedlichen Angeboten gesammelt und dabei festgestellt, dass es nicht den einen perfekten Anbieter für jeden gibt. Was für den einen wichtig ist, spielt für den anderen vielleicht überhaupt keine Rolle. Ähnlich ist es bei Themes, Plugins und vielen anderen Dingen rund um WordPress. Im Internet findet man zu fast jedem Thema eine Empfehlung. Manchmal bekommt man sogar den Eindruck, man müsse unbedingt dieses oder jenes Tool einsetzen, sonst könne man überhaupt keinen vernünftigen Blog betreiben. Meine eigenen Erfahrungen haben mir gezeigt, dass man solche Aussagen ruhig etwas gelassener betrachten darf.

Auch beim Design habe ich viel gelernt. Früher konnte ich mich ziemlich lange damit beschäftigen, ob eine bestimmte Farbe, ein Abstand oder ein Menüpunkt nun wirklich richtig sitzt. Heute frage ich mich häufiger, ob eine Änderung tatsächlich einen Unterschied für den Besucher macht. Eine Website muss funktionieren, verständlich sein und zum Thema passen. Sie muss nicht jeden Tag neu erfunden werden.

Dasselbe gilt für SEO. Natürlich ist es interessant, sich damit zu beschäftigen. Google kann für einen Blog wichtig sein und es gibt durchaus Dinge, die man sinnvollerweise beachten sollte. Trotzdem sollte aus dem Bloggen kein ständiger Kampf um irgendwelche Zahlen werden. Ein Artikel kann auch dann interessant und wertvoll sein, wenn er nicht sofort auf Platz eins bei Google erscheint. Diese Erkenntnis hat bei mir allerdings eine Weile gedauert.

Warum ich mit 60 einfach angefangen habe

Wenn ich heute darüber nachdenke, war das Alter wahrscheinlich überhaupt nicht das eigentliche Problem. Die größere Hürde war die eigene Vorstellung davon, was man in einem bestimmten Alter noch anfangen „sollte“. Mit 60 hat man vielleicht eher das Gefühl, bestimmte Dinge seien für einen nicht mehr gedacht. Junge Menschen lernen Technik, bauen Websites und probieren ständig etwas Neues aus – so kann man leicht denken. Aber warum eigentlich? Wer legt fest, dass man mit 60 keine neue Website mehr erstellen darf?

Natürlich lernt man nicht alles sofort. Manche Begriffe muss man mehrmals nachlesen. Eine technische Einstellung kann einen schon einmal eine Stunde beschäftigen, obwohl sie für jemanden mit Erfahrung in zwei Minuten erledigt ist. Das ist eben so. Niemand startet als Profi. Auch Menschen, die heute selbstverständlich mit WordPress umgehen, mussten irgendwann einmal herausfinden, wo man überhaupt klicken muss.

Genau deshalb möchte ich mit bloggroove.de auch nicht den Eindruck erwecken, ich hätte inzwischen alle Antworten. Das wäre schlicht nicht ehrlich. Ich bin kein professioneller Webentwickler und kein SEO-Experte. Mit den Profis auf diesem Gebiet möchte ich mich gar nicht vergleichen. Was ich aber mitbringe, sind einige Jahre eigene Erfahrungen. Ich habe ausprobiert, Fehler gemacht, Dinge wieder verworfen und anschließend neue Wege gesucht. Dadurch bin ich heute deutlich weiter als noch vor zwei oder drei Jahren. Gleichzeitig lerne ich immer noch jeden Tag etwas dazu.

Und vielleicht ist genau das der interessante Teil am Bloggen. Man muss nicht alles wissen, bevor man anfängt. Vieles ergibt sich erst auf dem Weg. Eine Website kann wachsen. Die eigenen Kenntnisse können wachsen. Man kann seine Meinung ändern und eine Entscheidung später wieder korrigieren. Nichts davon ist ein Weltuntergang.

Mit 60 einen Blog zu starten, war deshalb für mich keine verrückte Idee, sondern rückblickend eine ziemlich gute Entscheidung. Ich habe dadurch ein neues Hobby gefunden, mich mit Themen beschäftigt, die ich vorher kaum kannte, und gelernt, dass man auch später im Leben noch neugierig bleiben kann.

Heute gibt es neben einfachklarkopf.de die Website bloggroove.de.

Dabei geht es nicht darum, anderen vorzuschreiben, wie sie einen Blog aufzubauen haben. Viel interessanter finde ich die Fragen, die beim eigenen Ausprobieren entstehen: Was braucht man wirklich? Was kann man sich sparen? Welche Fehler habe ich gemacht? Was würde ich heute anders machen? Und welche Dinge habe ich erst nach langer Zeit verstanden?

Vielleicht findet sich darin manches wieder, was du selbst gerade erlebst. Oder ist dir nützlich. Möglicherweise bekommst du einfach Lust, selbst einmal etwas auszuprobieren.

Eines jedenfalls weiß ich heute ziemlich sicher: Man ist nicht zu alt, um mit etwas Neuem anzufangen.

Ich war 60, als ich meinen ersten Blog gestartet habe. Heute bin ich 63 – und noch lange nicht fertig mit dem Lernen. Zum Glück. Denn genau das macht die Sache spannend.

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