Fehler, die ich als Blogger gemacht habe

Fehler beim Bloggen sind völlig normal
Wer einen Blog startet, macht Fehler. Das klingt zunächst ziemlich banal, ist aber wahrscheinlich eine der wenigen Regeln beim Bloggen, die wirklich immer funktioniert. Ich jedenfalls habe in den vergangenen Jahren genügend davon gesammelt. Manche waren Kleinigkeiten, über die ich heute lachen kann. Andere haben mich ziemlich viel Zeit und auch Nerven gekostet. Und bei einigen denke ich mir noch heute: Das hätte ich mir eigentlich sparen können. Trotzdem möchte ich keinen dieser Fehler missen, denn gerade daraus habe ich einiges gelernt. Als ich mit 60 angefangen habe, wusste ich nichts darüber, wie viele Entscheidungen man rund um eine Website treffen kann. Heute weiß ich, dass man nicht alles von Anfang an richtig machen muss. Man sollte allerdings bereit sein, aus den eigenen Fehlentscheidungen etwas mitzunehmen. Genau deshalb möchte ich hier einmal fünf Fehler nennen, die mir beim Bloggen passiert sind. Es geht dabei nicht um irgendwelche theoretischen Anfängerfehler, die ich irgendwo gelesen habe. Diese Dinge habe ich selbst erlebt.
Mein erster Fehler – Perfektionismus
Mein erster Fehler war wahrscheinlich, viel zu schnell alles perfekt machen zu wollen. Kaum war eine Website erstellt, wollte ich bereits an jeder Kleinigkeit herumarbeiten. Das Design musste stimmen, die Startseite sollte möglichst professionell aussehen und natürlich durfte auch keine Kategorie irgendwie leer oder unfertig wirken. Statt mich einfach auf die Inhalte zu konzentrieren, konnte ich mich lange mit Kleinigkeiten beschäftigen. Eine Überschrift war vielleicht nicht ganz so, wie ich sie haben wollte, ein Abstand gefiel mir nicht oder ein Bild passte meiner Meinung nach nicht hundertprozentig. Also wurde immer wieder geändert. Danach sah eine andere Stelle plötzlich nicht mehr passend aus und schon war die nächste Änderung fällig. So etwas kann sich wunderbar verselbstständigen. Irgendwann verbringt man mehr Zeit mit der Website als mit dem eigentlichen Bloggen. Heute sehe ich das anders. Natürlich sollte eine Website ordentlich aussehen und funktionieren. Sie muss aber nicht am ersten Tag aussehen, als wäre sie von einem großen Webdesign-Team entwickelt worden. Ein Blog darf wachsen. Die Startseite darf sich verändern. Das Design darf irgendwann überarbeitet werden. Vor allem aber sollte man irgendwann einfach anfangen, Inhalte zu veröffentlichen. Genau das habe ich am Anfang unterschätzt.
Zu viel gleichzeitig machen wollen
Der zweite Fehler hängt direkt damit zusammen: Ich habe viel zu viele Dinge gleichzeitig ausprobiert. Gerade WordPress bietet dafür eine hervorragende Spielwiese. Man entdeckt ein Plugin und denkt: Das könnte interessant sein. Dann findet man ein anderes, das angeblich noch viel besser ist. Anschließend liest man etwas über ein Theme, probiert eine neue Einstellung aus und stellt irgendwann fest, dass man gar nicht mehr genau weiß, warum man bestimmte Dinge überhaupt installiert hat. Ich kenne diese Situation ziemlich gut. Gerade als Anfänger ist man dankbar für jede Möglichkeit, die einem verspricht, die Website schöner, schneller oder besser zu machen. Das Problem ist nur: Nicht alles, was angeboten wird, wird auch wirklich gebraucht. Heute bin ich bei Plugins wesentlich vorsichtiger. Bevor ich etwas installiere, frage ich mich eher, welches konkrete Problem damit gelöst werden soll. Wenn mir darauf keine vernünftige Antwort einfällt, lasse ich es lieber. Das hätte mir in den ersten Jahren einiges an Zeit erspart.
Was ich aus meinen Fehlern gelernt habe
Ein weiterer Fehler war, mich zu sehr mit anderen Websites zu vergleichen. Im Internet sieht man ständig tolle Blogs. Manche haben wunderschöne Startseiten, perfekte Bilder, unzählige Beiträge und eine beeindruckende technische Ausstattung. Wenn man gerade selbst angefangen hat, kann das schnell dazu führen, dass man denkt: Mein Blog sieht dagegen ziemlich bescheiden aus. Genau diesen Vergleich habe ich natürlich auch gemacht. Dabei übersieht man etwas Entscheidendes: Man sieht bei anderen immer das Ergebnis, aber nicht den Weg dorthin. Ein Blog, der seit zehn Jahren existiert, kann logischerweise nicht mit einer Website verglichen werden, die seit drei Monaten online ist. Heute versuche ich deshalb, andere Websites eher als Inspiration zu betrachten und nicht als Maßstab für den eigenen Erfolg. Was mir gefällt, kann ich mir merken. Was zu meiner eigenen Website passt, kann ich ausprobieren. Aber ich muss nicht versuchen, eine fremde Website nachzubauen.
Auch beim Thema SEO habe ich anfangs zu viel Aufmerksamkeit auf Dinge verwendet, die für mich gar nicht so wichtig waren. Natürlich ist Suchmaschinenoptimierung interessant. Wer einen Blog betreibt, möchte schließlich gefunden werden. Trotzdem kann man sich gerade als Anfänger rasch darin verlieren. Keywords, Überschriften, Suchintention, Meta-Beschreibungen, interne Verlinkungen und vieles mehr – plötzlich wird aus dem Schreiben eines Artikels eine kleine Wissenschaft. Ich habe mich damit beschäftigt und dabei durchaus einiges gelernt. Gleichzeitig musste ich feststellen, dass ein Blog nicht besser wird, nur weil man möglichst viele SEO-Begriffe irgendwo unterbringt. Ein guter Artikel sollte in erster Linie für Menschen verständlich und interessant sein. Die Suchmaschine ist wichtig, aber sie sollte nicht den gesamten Inhalt bestimmen. Heute versuche ich deshalb, SEO als Werkzeug zu betrachten und nicht als Mittelpunkt meiner Website. Das nimmt einiges an Druck heraus.
Mein fünfter Fehler war vielleicht der größte: Ich wollte zu viele Ideen gleichzeitig verfolgen. Wenn man einmal Spaß am Bloggen gefunden hat, entstehen ständig neue Ideen. Eine neue Website könnte interessant sein. Ein anderes Thema wäre auch spannend. Diese Domain wäre eigentlich perfekt. Und dort könnte man doch ebenfalls noch einen Blog starten. Ich kenne dieses Problem gut. Aus einer Idee werden schnell drei und aus drei plötzlich zehn. Gerade wenn man gerne Dinge ausprobiert, ist die Versuchung groß. Gleichzeitig braucht jede Website Zeit. Inhalte müssen geschrieben, Seiten müssen gepflegt und technische Dinge müssen erledigt werden. Wer zu viele Projekte gleichzeitig startet, verteilt seine Aufmerksamkeit auf viele verschiedene Baustellen. Das kann irgendwann anstrengender sein als das Bloggen selbst. Heute versuche ich deshalb, stärker darauf zu achten, welche Idee wirklich sinnvoll ist und welche vielleicht einfach nur deshalb interessant erscheint, weil sie gerade neu ist. Nicht jede gute Idee muss sofort umgesetzt werden.
Fehler gehören zum Bloggen dazu
Wenn ich heute auf meine erste Zeit als Blogger zurückblicke, würde ich manche Entscheidungen ganz anders treffen. Ich würde langsamer anfangen, weniger ausprobieren und mich nicht so schnell von jeder neuen Empfehlung begeistern lassen. Gleichzeitig glaube ich nicht, dass es sinnvoll wäre, sich über vergangene Fehler ständig zu ärgern. Schließlich weiß man hinterher meistens mehr als vorher. Ein Fehler entsteht oft genau deshalb, weil einem zu diesem Zeitpunkt die Erfahrung fehlt. Das lässt sich nicht vollständig vermeiden.
Besonders beim Bloggen ist das eigentlich eine relativ gute Nachricht. Eine Website ist kein empfindliches Kartenhaus, das beim ersten falschen Klick zusammenfällt. Natürlich sollte man bei wichtigen Dingen wie Backups, Sicherheit oder technischen Änderungen vorsichtig sein. Viele andere Entscheidungen lassen sich jedoch korrigieren. Ein falsch gewähltes Theme kann gewechselt werden. Eine nicht passende Kategorie kann geändert werden. Ein schlechter Artikel kann überarbeitet werden. Oder ein Plugin kann wieder gelöscht werden. Selbst eine komplette Website kann irgendwann neu aufgebaut werden.
Genau deshalb würde ich heute jedem Anfänger sagen: Hab keine Angst davor, etwas falsch zu machen. Informiere dich, bevor du wichtige Entscheidungen triffst, aber recherchiere nicht monatelang, nur weil du Angst hast, einen Fehler zu machen. Irgendwann muss man anfangen. Erfahrung entsteht nicht dadurch, dass man hundert Artikel darüber liest, wie andere etwas gemacht haben. Erfahrung entsteht vor allem dann, wenn man selbst etwas ausprobiert.
Das gilt übrigens auch für mich heute noch. Obwohl ich inzwischen deutlich mehr weiß als damals, passieren mir weiterhin Fehler. Manchmal übersehe ich etwas. Manchmal probiere ich eine Lösung aus, die sich später als nicht besonders sinnvoll herausstellt. Und manchmal denke ich mir nach einer Änderung: Warum habe ich das jetzt eigentlich gemacht?
Der Unterschied zu früher besteht vielleicht darin, dass ich mich darüber nicht mehr so sehr ärgere. Ich weiß inzwischen, dass beim Bloggen nicht immer alles nach Plan läuft. Manchmal ist eine vermeintlich falsche Entscheidung sogar der Ausgangspunkt für eine neue Erkenntnis.
Meine fünf Fehler sind deshalb eigentlich gar keine schlechte Bilanz. Sie haben mir gezeigt, dass eine Website nicht perfekt sein muss, dass man nicht jedes Plugin braucht, dass Vergleiche mit anderen wenig bringen, dass SEO nicht alles ist und dass man sich nicht mit zu vielen Projekten gleichzeitig verzetteln sollte.
Und vermutlich werde ich irgendwann auf diesen Artikel zurückblicken und feststellen, dass ich inzwischen wieder ein paar neue Fehler gemacht habe. Das wäre dann allerdings auch kein Drama. Denn beim Bloggen geht es nicht darum, niemals Fehler zu machen. Es geht darum, aus ihnen etwas zu lernen und beim nächsten Mal ein kleines bisschen schlauer zu sein. Und trotz alledem weiterhin Spaß zu haben!

