Perfektion beim Bloggen

Perfekt bloggen – ist das möglich und macht das Sinn?
Ein eigener Blog soll natürlich gut aussehen. Nein, ich wollte dann doch lieber einen perfekten Blog. Das war zumindest meine Vorstellung, als ich angefangen habe. Die Startseite sollte super sein, die Farben sollten zusammenpassen, die Texte mussten natürlich stimmen und auch das Menü durfte nicht irgendwie zusammengeschustert wirken. Dazu kamen Bilder, Abstände, Überschriften und irgendwann die Frage, ob die Schrift vielleicht doch etwas größer sein sollte. Klingt alles vernünftig. Schließlich möchte man Besuchern ja keine Website vorsetzen, die aussieht, als hätte man sie an einem Nachmittag nebenbei zusammengeklickt. Das Problem beginnt erst dann, wenn aus dem Wunsch nach einer ordentlichen Website der Anspruch entsteht, dass wirklich alles perfekt sein muss. Genau da kann man sich beim Bloggen nämlich wunderbar selbst im Weg stehen.
Gerade am Anfang habe ich unglaublich viel Zeit damit verbracht, an meiner Website herumzubasteln. Eine Kleinigkeit gefiel mir nicht, also wurde sie geändert. Danach passte eine andere Stelle nicht mehr ganz dazu und musste ebenfalls angepasst werden. Aus einer kleinen Änderung wurden schnell mehrere weitere. Irgendwann schaute ich auf die Website und dachte: Eigentlich sieht sie doch ganz gut aus. Am nächsten Tag war ich mir da schon nicht mehr so sicher. Vielleicht müsste die Startseite anders aufgebaut sein. Eine andere Farbe wäre besser. Das Menü muss anders aussehen. Und wenn man schon dabei ist, könnte man eigentlich auch gleich noch das Logo verändern. So kann man ziemlich viel Zeit verbringen, ohne einen einzigen neuen Artikel zu schreiben.
Mittlerweile sehe ich das wesentlich entspannter. Eine Website muss ordentlich funktionieren. Sie sollte übersichtlich sein, Texte sollten gut lesbar sein und Besucher sollten möglichst schnell verstehen, worum es überhaupt geht. Das halte ich inzwischen für wichtig. Aber zwischen einer guten, funktionierenden Website und einer vollkommen perfekten Website liegt ein gewaltiger Unterschied. Perfekt wird eine Website wahrscheinlich ohnehin nie. Selbst große und professionell betreute Internetseiten werden irgendwann verändert, modernisiert oder komplett neu gestaltet. Warum sollte es bei einem kleinen persönlichen Blog anders sein?
Perfektion – Der perfekte Blog ist meistens eine Illusion
Als Anfänger bekommt man leicht den Eindruck, man müsse erst einmal alles richtig machen, bevor man überhaupt loslegen darf. Man liest einen Artikel über SEO und erfährt, dass man bestimmte Dinge beachten sollte. Dann liest man etwas über Webdesign und bekommt erklärt, wie eine moderne Startseite aussehen sollte. Anschließend geht es um Ladezeiten, Bilder, Plugins, mobile Darstellung, Suchmaschinen und vielleicht noch um Social Media. Nach einigen Stunden Recherche könnte man beinahe den Eindruck bekommen, dass man für einen Blog eigentlich ein kleines Studium absolvieren müsste. Genau das kann lähmen und manchmal auch so richtig frustrieren.
Ich habe irgendwann festgestellt, dass ich mich viel zu häufig mit Dingen beschäftigt habe, die für meinen Blog zu diesem Zeitpunkt gar nicht entscheidend waren. Statt einen neuen Artikel zu schreiben, wurde an irgendeiner Kleinigkeit im Design gearbeitet. Statt Inhalte zu erstellen, wurden Plugins ausprobiert. Statt die Website einfach wachsen zu lassen, wollte ich möglichst schnell eine fertige Lösung haben.
Nur: Eine Website ist kein Möbelstück, das man einmal aufstellt und danach nie wieder anfasst.
Blog und Inhalte
Ein Blog lebt von seinen Inhalten. Leser kommen nicht auf eine Website, weil der Abstand zwischen zwei Überschriften exakt 28 Pixel beträgt. Sie kommen, weil sie etwas suchen, etwas erfahren möchten oder einen interessanten Artikel gefunden haben. Natürlich darf eine Website schön aussehen. Ich finde das selbst wichtig. Aber das Design sollte den Inhalt unterstützen und nicht zum eigentlichen Hauptzweck werden.
Gerade bei einem neuen Blog sollte man sich deshalb erlauben, dass noch nicht alles perfekt ist. Am Anfang gibt es vielleicht nur wenige Beiträge. Die Startseite wirkt etwas leer. Manche Kategorien haben erst einen oder zwei Artikel. Das ist völlig normal. Ein neuer Blog kann schließlich nicht so aussehen wie eine Website, die seit zehn Jahren existiert und mehrere hundert Beiträge veröffentlicht hat.
Was mir ebenfalls geholfen hat, war die Erkenntnis, dass man vieles später noch ändern kann. Wenn eine Kategorie nicht funktioniert, kann man sie umbenennen. Gefällt das Theme nicht mehr, kann man es irgendwann wechseln. Ein Bild passt nicht, also wird es ausgetauscht. Eine Startseite wirkt zu voll, dann wird sie eben überarbeitet. Selbst größere Entscheidungen sind nicht immer endgültig. Diese Freiheit nimmt viel Druck heraus.
Auch beim Schreiben habe ich gelernt, nicht jeden Satz zehnmal umzudrehen. Natürlich sollte ein Artikel verständlich sein und man sollte sich ein wenig Mühe geben. Trotzdem darf ein Text auch nach Mensch klingen. Gerade persönliche Blogs leben davon, dass nicht alles nach einem perfekten Ratgeber klingt. Ein Leser merkt durchaus, wenn jemand einfach seine eigenen Erfahrungen erzählt.
Dasselbe gilt für Bilder. Natürlich kann man Stunden damit verbringen, das perfekte Bild für einen Artikel zu suchen. Man kann aber auch irgendwann sagen: Dieses Bild passt, es ist ordentlich und erfüllt seinen Zweck. Fertig.
Beim Bloggen gibt es erstaunlich viele Möglichkeiten, sich mit Kleinigkeiten zu beschäftigen. Ich kenne das nur zu gut. Wenn man nicht aufpasst, kann man sich stundenlang mit einem Plugin beschäftigen, das am Ende eine Funktion verändert, die vielleicht fünf Besucher im Monat überhaupt bemerken würden.
Deshalb frage ich mich heute häufiger: Was bringt diese Änderung eigentlich?
Wenn die Antwort lautet: „Eigentlich nichts, aber es sieht ein kleines bisschen anders aus“, lasse ich es manchmal einfach.
Lieber anfangen als ewig verbessern
Natürlich bedeutet das alles nicht, dass man seine Website schlampig behandeln sollte. Ein kaputter Link bleibt ein kaputter Link. Eine schlecht lesbare Schrift ist keine kreative Designentscheidung und eine unübersichtliche Navigation macht Besuchern das Leben unnötig schwer. Der Header und Footer sollten übersichtlich sein. Es geht also nicht darum, Qualität unwichtig zu finden. Der Unterschied liegt für mich darin, zwischen wichtig und nur scheinbar wichtig zu unterscheiden. Ein verständlicher Text ist wichtig. Ein funktionierendes Menü ist wichtig. Eine Website, die auf dem Smartphone vernünftig funktioniert, ist wichtig. Ein ansprechendes, aber nicht überladenes Design ist ebenfalls sinnvoll. Ob die Überschrift nun ein paar Pixel weiter oben oder unten steht, ist dagegen meistens keine Katastrophe. Diese Einstellung musste ich mir allerdings erst erarbeiten.
Früher konnte ich mich über Kleinigkeiten ziemlich lange ärgern. Heute denke ich eher: Wenn es wirklich stört, ändere ich es später. Schließlich soll das Bloggen Spaß machen und nicht dazu führen, dass man irgendwann keine Lust mehr auf die eigene Website hat.
Besonders bei neuen Projekten ist dieser Gedanke wichtig. Man hat eine Idee, baut die Website auf und möchte am liebsten sofort alles perfekt machen. Das Logo soll stimmen, die Farben müssen passen, jede Kategorie braucht natürlich schon Inhalte und die Startseite darf auf keinen Fall leer wirken. Am Ende vergehen Wochen und man hat vielleicht noch keinen einzigen richtigen Artikel veröffentlicht. Das wäre für mich heute der falsche Weg.
Ich würde lieber mit einer vernünftigen Grundlage starten und dann Schritt für Schritt weitermachen. Der erste Artikel muss nicht der beste Artikel meines Lebens sein. Die Startseite muss nicht für alle Ewigkeit feststehen. Das Design darf sich entwickeln. Und auch die eigene Meinung über das Bloggen darf sich verändern. Genau darin liegt für mich ein großer Vorteil eines eigenen Blogs: Man kann ihn wachsen lassen.
Mit der Zeit merkt man, was funktioniert und was nicht. Vielleicht stellt man fest, dass die Leser bestimmte Themen besonders interessant finden. Vielleicht merkt man selbst, dass eine bestimmte Kategorie überhaupt keinen Spaß macht. Dann kann man reagieren. Ein Blog ist schließlich kein fertiges Produkt, sondern etwas, das sich ständig weiterentwickeln kann.
Heute sehe ich deshalb den Satz „Mein Blog muss perfekt sein“ ziemlich kritisch.
Perfekt wofür? Für Google? Für andere Blogger? Für irgendeinen Designratgeber? Oder für den eigenen Anspruch?
Wenn die Website funktioniert, die Inhalte interessant sind und man selbst noch Freude daran hat, ist schon sehr viel erreicht. Ich habe inzwischen einige Websites aufgebaut und wieder verändert. Manche Dinge würde ich heute ganz anders machen als früher. Bei anderen Entscheidungen bin ich froh, dass ich sie damals genauso getroffen habe. Und wahrscheinlich werde ich in zwei Jahren wieder einiges anders sehen. Das gehört dazu.
Vielleicht ist das sogar eine der wichtigsten Erfahrungen, die ich beim Bloggen gemacht habe: Man muss nicht erst alles können, bevor man anfangen darf. Wer immer auf den perfekten Zeitpunkt wartet, wartet wahrscheinlich ziemlich lange. Irgendetwas wird immer fehlen. Ein besseres Logo, ein schöneres Theme, mehr Beiträge, bessere SEO-Kenntnisse, ein neues Plugin oder noch eine Information, die man unbedingt vorher lesen möchte. Irgendwann sollte man einfach auf „Veröffentlichen“ klicken.
Mein Blog ist heute definitiv nicht perfekt. Und vermutlich wird er das auch nie sein. Dafür verändert er sich, wächst und bringt mir immer wieder neue Erfahrungen. Ganz ehrlich: Mir ist das inzwischen sogar lieber. Denn ein perfekter Blog wäre vielleicht irgendwann fertig. Und ehrlich, das macht auch keinen Spaß.
Meine Blogs sind nie fertig, niemals perfekt. Das Design ist vielleicht auch nicht toll. Die Schriften passen nicht immer. Auch die Farben nicht. Aber weißt du was? Das ist mir egal, ich habe Freude! Und genau deshalb gibt es beim Bloggen immer wieder etwas Neues zu entdecken.





